Artikel tibetfocus 9.2018

Artikel tibetfocus 9.2018: Freiwillige gesucht!

Die Arbeitsgruppe für die Vermittlung von Patenschaften mit tibetischen Sans- Papiers hat sich konstituiert

Im letzten tibetfocus berichteten wir über die schwierige Situation der tibetischen Sans-Papiers in der Schweiz und das neue Patenschaftsprojekt der GSTF mit der Tibetischen Sans-Papiers-Gemeinschaft Schweiz (TSPG). Erfreulicherweise hat sich inzwischen die TFOS (Tibetische Frauenorganisation) entschieden, das Projekt mitzutragen.

Derzeit leben knapp 300 abgelehnte tibetische Asylbewerber als Sans-Papiers in der Schweiz. Ihr Asylgesuch wurde abgelehnt, weil das SEM vermutet, dass sie aus anderen Heimatländern als Tibet stammen. Sie werden aufgefordert, die Schweiz zu verlassen, was ihnen jedoch aufgrund fehlender Papiere nicht möglich ist. Sie erhalten Nothilfe und leben in Notunterkünften. Aufgrund ihres illegalen Aufenthalts werden sie mit Geld- und Haftstrafen, in einigen Kantonen auch mit einer Eingrenzung belegt.

Unter diesen schwierigen Bedingungen ist es ihnen kaum möglich, die Sprache zu erlernen sowie sich zu integrieren. Genau dieses wird jedoch gefordert, wenn sie nach fünf Jahren Aufenthalt in der Schweiz ein Härtefallgesuch stellen können. Dies ist für die meisten die einzige Möglichkeit, eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten. Die Voraussetzungen dafür sind hoch: Insbesondere werden Deutschkenntnisse und eine gute Integration gefordert. Hier möchten wir mit unserem Projekt ansetzen und den Flüchtlingen Paten vermitteln, so dass sie eine Vertrauensperson erhalten, mit der sie sich austauschen, ihre Sprachkenntnisse verbessern und das Leben in der Schweiz noch besser kennenlernen können. Dies wird ihnen helfen, erfolgreicher ein Härtefallgesuch zu stellen, aktiv am Leben in der Schweiz teilzunehmen sowie nach Erhalt der Bewilligung berufliche Chancen wahrzunehmen.

Der regelmässige persönliche Austausch auf Augenhöhe steht im Vordergrund. Dabei bestimmen Pate und Flüchtling selber, wie sie ihre gemeinsame Zeit gestalten. Je nach Bedürfnis geht es um Unterstützung beim Deutschlernen, beim Kontakt mit Behörden oder der sozialen Integration in der Schweiz. Oder sie kochen gemeinsam, machen Sport oder lernen die Umgebung besser kennen. Die Duos sollten sich mindestens einmal pro Monat treffen.

Unser erstes Projekttreffen

Die Projektgruppe besteht aus José Amrein-Murer, Lobsang Damchoe Lotsang, Tsomo Khangtoe und Jens Burow und hat sich im Juli zu einer ersten Arbeitssitzung getroffen. Als Vertreterin der TFOS sind neu auch Tsering Manee und Londe Chagten Mitglieder. Unsere Arbeitsgruppe diskutierte die Rahmenbedingungen, unter denen der Austausch stattfinden sollte, u.a. um falsche Erwartungen zu vermeiden. Dabei half uns, dass wir auf den Erfahrungen des Tandemprojektes von Solinetz aufbauen und für unser Projekt sinnvoll anpassen konnten.

Wenngleich wir die Begriffe „Pate“ und „Flüchtling“ verwenden, ist uns wichtig, die Ebenbürtigkeit der Beziehung von Pate und Flüchtling zu unterstreichen. Neben den Chancen, die sich dadurch für den Flüchtling ergeben, sind wir überzeugt, dass der Austausch auch für die Paten eine bereichernde Erfahrung sein wird.

Das Projekt soll in sieben Regionen der Schweiz, entsprechend den GSTF-Sektionen, durchgeführt werden. Für jede Region ist eine lokale Koordinationsperson vorgesehen, die von der Projektgruppe begleitet wird.

Um Paten und Flüchtlinge zusammenzubringen, ist für jede Region ein Informationsabend geplant, um beiden Gruppen, zuerst getrennt und dann gemeinsam, die Rahmenbedingungen und „Spielregeln“ vorzustellen. Jede Sektion der GSTF entspricht einer Region.

Folgende Punkte erscheinen uns wichtig:

  • Die Treffen sollten mindestens einmal pro Monat stattfinden. Das Duo legt dabei selber fest, wie es die Zeit gestaltet. Beide Seiten sollten offen sein gegenüber den Vorstellungen und Ideen des anderen.
  • Es ist nicht vorgesehen, dass die Freiwilligen finanzielle Beiträge an die Flüchtlinge leisten. Allgemein sollte die gemeinsam verbrachte Zeit -wenn möglich – mit keinen Kosten verbunden sein. TSPG, TFOS und GSTF können entstandene Kosten nicht zurückerstatten.
  • Gegenüber dem Flüchtling ist Respekt vor der Privatsphäre und Diskretion wichtig. Die persönliche Lebensgeschichte, vor allem die Umstände, die zur Flucht geführt haben, sowie die Flucht sollten nicht erfragt werden.
  • Auch sollte jeder Pate seine Grenzen kennen, wenn es z. B. um das Vermitteln der deutschen Sprache oder rechtliche Fragen geht. Deutschkurse und Beratungsstellen können hier kompetente Leistungen erbringen.

Aufruf

Wir suchen Schweizer/innen sowie auch Tibeter/innen und weitere Personen, die gut in der Schweiz integriert sind, als Patinnen und Paten.

Wenn Sie interessiert am kulturellen Austausch sind und einen Beitrag für die Integration tibetischer Flüchtlinge leisten möchten, freuen wir uns auf Ihre Teilnahme an unserem Patenschaftsprogramm.

Ausserdem benötigen wir freiwillige Koordinatoren in jeder Sektion, die vor Ort das operative Management übernehmen. Dafür eignen sich Personen, die bereits über Erfahrungen mit Flüchtlingen oder über erwachsenbildnerische Kenntnisse verfügen.

Ob und wann das Projekt in den verschiedenen Regionen starten kann, hängt davon ab, ob und wann sich Freiwillige melden. Darum bitten wir Sie sehr herzlich um Ihr Engagement.
Nehmen Sie dafür Kontakt auf mit

José Amrein-Murer, lamtoen@gstf.org, Tel 079 582 43 21